Plädoyer für das Miteinander am Brühl

Bürgerplattform als offener Austausch zur Quartiersentwicklung

Knapp 130 Gäste, darunter Anwohner, Gewerbetreibende, Projektträger und Interessierte am Brühl, kamen am 24. September abends im Brühlbüro zusammen, um über die zukünftige Belebung des Quartiers zu diskutieren. Zur Bürgerplattform lud Oberbürgermeisterin Ludwig ein, moderiert wurde die Veranstaltung durch Journalistin Marion Tetzner. Die lebendige und offene Diskussion um die Entwicklung des Brühls, ausgelöst durch die bevorstehende Schließung des Clubs Atomino aufgrund eines zivilrechtlichen Verfahrens und der Aktivitäten um den Kultursommer, zeigte auch in ihrer Kontroverse das starke Interesse am Stadtquartier.

Seit der Etablierung eines Brühlmanagements und der Eröffnung des Brühlbüros im letzten Jahr hat die Entwicklung des Brühls an Fahrt aufgenommen. Dies zeigt sich sowohl an den erfolgreich anlaufenden Verkäufen und Sanierungstätigkeiten von Gebäudebeständen als auch an den verschiedenen Interessenten, Projektträgern und Akteuren vor Ort, die mit unterschiedlichen Ansätzen zur Gestaltung des Quartiers beitragen. Ob die Brühlpioniere, die Organisatoren des Kultursommers, die Betreiber des Musikkombinates, die verschiedenen privaten Eigentümer und Gewerbetreibende, die Beteiligten des Brühlgremiums und verschiedener Karreerunden im Projekt KiQ – sie alle gestalten derzeit mit am Brühl.

Die Diskussion verdeutlichte, dass mit der schnellen Entwicklung entsprechend auch unterschiedliche Interessen an einer zukünftigen Form der Belebung des Quartiers aufeinandertreffen. Fragestellungen wie die nach der Vereinbarkeit von Jugendkultur und Wohngebieten, von städtischer Belebung und dem Anrecht auf ruhige Wohnverhältnisse standen im Mittelpunkt der Debatte.

So sind es verschiedene Lebensentwürfe und Interessen der Anwohner und Akteure, die für Kontroversen sorgten. Bedürfnisse eines ruhigeren Wohnumfeldes standen einer freieren Entfaltung der Jugendkultur gegenüber. Auffassungen von Bewohnern, die in den bisherigen Aktivitäten eine übertriebene Lärmbelastung sehen, wurden diejenigen anderer und ebenfalls langjähriger Bewohner entgegengestellt, die sich über die Belebung freuen und für mehr Toleranz und Miteinander warben. Der Rektor der TU Chemnitz, Prof. van Zyl, appellierte, eine Drehscheibe wie den Brühl zuzulassen, auf der sich Talent und Leben entwickeln könnten. Hierfür brauche es auch Toleranz und Geduld.

Neben der Schließung des Clubs Atomino wurde insbesondere über die Form des diesjährigen Kultursommers diskutiert. Für die Einen war es eine zu lange und lärmintensive Veranstaltungsreihe, die einen erholsamen Aufenthalt in den Wohnungen und auf den Balkonen kaum ermöglichte. Für die Anderen war es der belebende, gelungenen Impuls für die zukünftige Entwicklung des Quartiers. Eine Anwohnerin betonte, dass die Diskussion nicht nur auf den konträren Positionen, schwarz und weiss, aufbauen könne. Sie stehe auch für einen lebendigen Brühl, es sei jedoch zu hinterfragen, ob dies immer mit lauter Musik verbunden sein müsse. Es gebe schließlich sehr gute Ansätze wie bspw. das gemeinsame Stricken und auch die künstlerischen Aktivitäten. Hier könnte weiter angesetzt werden.

Beim Kultursommer wurde entsprechend deutlich, dass ein gemeinsames Miteinander möglich ist. Die Betreiber sind offen für jegliche Beteiligung weiterer Partner, für einen gemeinsamen Dialog um die Gestaltung des Programms eines etwaigen nächsten Kultursommers, der dann auch eine kürzere Dauer haben sollte.

Oberbürgermeisterin Ludwig betonte: „Eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft der Stadt ist eine Atmosphäre, in der sich junge Leute wohlfühlen.“ Entsprechend sollten auch Ansätze wie der Kultursommer im engen Dialog fortgeführt werden. Hier seinen schließlich Kompromisse möglich. Der Sommer war ein erster Versuch, der nun alle Möglichkeiten einer gemeinsamen Fortentwicklung habe. „Für die Entwicklung des Brühls wurden bewusst keine zu engen Schranken gesetzt, um Spielräume für neue Ansätze einzelner Initiativen zu schaffen“, so Ludwig. Das habe immer etwas mit Ausprobieren zu tun, Sicherheiten könne es nicht geben. Schließlich seien es die Akteure vor Ort, die die Gestalt, den Charakter und das Leben im Quartier bestimmen – und weniger Planung und Regulierung durch die Stadt.

Die Diskussion war ein wichtiger Schritt zu einem weiteren Austausch zwischen einzelnen Anwohnern und Akteuren am Brühl – eine Chance, die weitere Entwicklung gemeinsam zu gestalten. Der Brühl hat damit das Potenzial zu einem Quartier unterschiedlicher Lebensentwürfe – das wurde deutlich. Denn Einstimmigkeit herrschte beim gemeinsamen Interesse bei der Entwicklung des Brühls. Ein Plädoyer für Toleranz, Kompromissbereitschaft und Verständnis zog sich durch die Redebeiträge. Erfreuliches Resumee der Veranstaltung ist damit die hier gelebte Diskussions- und auch Streitkultur, der offenen Dialog stets mit dem Ziel eines gemeinsamen Zusammenlebens am Brühl.

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